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Geschäftsessen
- vollständiges Kapitel -
Traditionell ist in Deutschland das Mittagessen, zu dem man zwischen
11:30 und 13:30 Uhr geht, die Hauptmahlzeit des Tages.
Im Gegensatz zu einem stundenfüllenden, mehrgängigen
Menü werden dabei meist eine Vorspeise (oft ein Suppe), ein
Hauptgericht und ein Dessert gewählt.
In einer Konferenzumgebung ist jedoch oft das Mittag- mit dem Abendessen
gleichwertig, da es als integraler Bestandteil der persönlichen
Kontaktpflege und Fortsetzung der Diskussionen in etwas gelockerter
Atmosphäre gesehen wird.
Frauen
Entgegen früherer Umgangsregeln, die besagten, dass eine Dame
im Restaurant weder mit dem Ober sprechen noch den Wein probieren
oder gar für einen Herrn bezahlen durfte, ist all das heutzutage
normal. Die Frau wird nicht nur ganz selbstverständlich um
die Rechnung bitten, sondern sie wird auch als erste das Restaurant
betreten, wenn ihr das praktisch erscheint. Ebenso kann sie, wenn
sie das als Gastgeberin möchte, auch den Wein probieren, was
beim Business-Lunch allerdings nicht immer nötig ist, weil
häufig auf alkoholfreie Getränke Wert gelegt wird.
Alkoholische Getränke
Der Wunsch auf "geistige" Getränke zu verzichten
muss bei einem Geschäftsessen nicht von allen Beteiligten geteilt
werden. Auf der anderen Seite sollten Sie sich nicht unter Druck
fühlen mit zu trinken, wenn andere das tun. Eine der modernen
Empfehlungen besagt, dass es heute nicht mehr als unhöflich
gilt, wenn die oder der Einladende selbst kein alkoholisches Getränk
zu sich nehmen möchte, auch wenn sie oder er den Gast (die
Gäste) gerne dazu einladen möchte.
Trinkgeld
Bei der Höhe des Trinkgeldes können Sie sich in Deutschland
an die 5- bis 10%-Regel, bezogen auf die Rechnungshöhe, halten,
wenn Sie sich gut bedient gefühlt haben. Falls Sie nicht zufrieden
waren, können Sie hingegen, ohne den guten Ton zu verletzen,
auf ein Trinkgeld verzichten. Es steht Ihnen aber auch frei, mehr
zu geben, wenn man Sie außerordentlich verwöhnt hat.
Ein zusätzlich ausgesprochenes "Dankeschön"
beim Abschied erhöht den Wert einer solchen nonverbalen Anerkennung
noch um ein Vielfaches.
Spezielle Fragen:
- Müssen Sie Ihren eigenen Essstil dem der Deutschen anpassen?
Man sollte sich nicht zu sehr verbiegen - wer zu Hause verhaltenssicher
ist, wird es auch weitgehend in Deutschland sein. Aber Vorsicht:
Auf exotische Essrituale wie etwa das in Asien vernehmbare Schmatzen
oder ähnliches sollte man verzichten. Die deutschen Tischgäste
könnten davon peinlich berührt sein.
- Welche Tischmanieren sollte man sich unbedingt in Deutschland
zu Eigen machen?
- " Wünschen Sie am Anfang "Einen guten Appetitit"
- "Hände beim Essen auf den Tisch, nicht darunter"
- "Aufrecht sitzen - nahe am Tisch"
- "Kopf nicht mit der Hand abstützen"
- "Essen nicht mit gebeugtem Kopf in sich hineinschaufeln"
- "Nicht zu Essen beginnen, bevor alle das Gericht vor
sich auf dem Tisch haben"
- "Nicht zu trinken beginnen, bevor alle etwas haben und
dann vor dem ersten Schluck anstoßen und sich dabei gegenseitig
anschauen"
- "Nicht alleine aufstehen, wenn man mit dem Essen fertig
ist: Wenn man gemeinsam kommt, geht man auch gemeinsam"
- "Nicht rülpsen oder andere Laute von sich geben..."
- "Denken Sie daran, dass man üblicherweise seinen
Teller leer isst. Ansonsten wird es meist so verstanden, dass
es Ihnen nicht ge-schmeckt hat"
- "Sobald Sie fertig sind, legen Sie Messer und Gabel parallel
über die rechte Tellerseite"
- Bezahlen Gastgeber/innen eines Essens die Rechnung am Tisch?
Nein! Besser ist es die Rechnung mit dem Kellner am Tresen zu
begleichen, um Missverständnisse oder Diskussionen von vorne
herein auszuschließen. Auch lässt sich so der Quittungserhalt
unauffällig regeln, eventuell Posten überprüfen,
Trinkgeld geben und ein finaler Digestif ordern.
- Ist es peinlich, in sehr guten Restaurants nach dem "Hauswein"
zu fragen?
Nein! Mit dem "Hauswein" macht ein Restaurant Werbung
- er wird in Deutschland und in anderen Weinländern wie Frankreich
oder Italien nie von schlechter Qualität sein. Wenn das Budget
mal keinen teuren Wein erlaubt, den Ober ganz selbstbewusst nach
einem preisgünstigen Wein fragen. Hierbei den ungefähren
Betrag zu nennen, den man ausgeben möchte, zeugt von Selbstbewusstsein.
- Darf man kleinere Suppentassen am Schluss austrinken?
Ja! Der letzte Rest aus einer Suppentasse schmeckt heiß
besser. Fassen Sie dazu die Tasse an den Henkeln (Ohren), möglichst
nur an einem - dem linken. Aber: Denken Sie daran, hier ist von
"Tasse" die Rede, nicht von "Teller"... .
- Ist der Gebrauch von Zahnstocher und Lippenstift bei Tisch
heute okay?
Ja! Ganz stilvoll ist es zwar immer noch nicht, aber wenn's denn
unbedingt sein muss! Besser ist es in Gegenwart anderer darauf
zu verzichten. Lippen können diskret nachgezogen werden,
sollte aber nach Möglichkeit vermieden werden. Für groß
angelegte Korrekturen sollte man einen Spiegeltisch aufsuchen.
- Lege ich mein Jackett/meine Kostümjacke bei offiziellen
Veranstaltun-gen erst ab, wenn mich die Gastgeber auffordern oder
es vormachen?
Ja! Gute Gastgeber reagieren aber auf Hitzegrade und bieten das
Ablegen von Jacken frühzeitig an oder schaffen Kühlung.
- Stimmt es, dass die Papierserviette neuerdings nicht mehr auf
den leer gegessenen Teller gehört?
Ja! In Deutschland bitte die Papierserviette nach dem Essen leicht
zusammengeknüllt links neben den Teller legen, das hilft
auch der Abfallsortierung, wofür die Deutschen eine Schwäche
haben. Stoffser-vietten sollen, locker gefaltet, ebenfalls links
neben den Teller gelegt werden - bitte nie auf den Teller!
- Wenn man eine Rede halten will, klopft man dazu an sein Glas,
um sich Gehör zu verschaffen?
Nein! Das ist eine typische Verhaltensweise, wie man sie aus alten
deutschen Filmen kennt. Heute steht man einfach auf und erhebt
die Stimme - dadurch wird es in der Tischrunde ganz automatisch
ruhig.
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